Erinnerungen - Teil 3: Wenn aus Spaß ernst wird - das Skandalspiel von Lippinghausen

Spielername richtig, aber kein Tor: Hiddenhausens Kapitän Klaus Schuppenat (im Vordergrund) verpast im Spiel gegen den TSV Detmold den Ball. Die Frage, ob der Treffer gezählt hätte muss daher unbeantwortet bleiben.

Spielername richtig, aber kein Tor: Hiddenhausens Kapitän Klaus Schuppenat (im Vordergrund) verpast im Spiel gegen den TSV Detmold den Ball. Die Frage, ob der Treffer gezählt hätte muss daher unbeantwortet bleiben.

Anfang der 1980er Jahre erlebte unser Verein die wohl sportlich erfolgreichste Zeit in seiner Vereinsgeschichte. In der Saison 1982/83 stieg die Spielvereinigung erneut in die Landesliga auf und sollte im Folgejahr die Liga im Sturm erobern. Der Absturz in die Bezirksliga sollte nur ein Jahr später erfolgen. In unserer kleinen Serie erinnern wir uns heute an ein Spiel aus der Abstiegssaison 1984/85, welches als Skandal in die Geschichte einging:

Tristesse auf hohem Niveau in der Saison 1984/85: Nachdem die Spielvereinigung im Vorjahr als Aufsteiger mit dem dritten Tabellenplatz die bis heute beste Platzierung in der Vereinsgeschichte erreichte, kämpfte man in der Folgesaison gegen den Abstieg. Obwohl man im Umfeld bereits von der Verbandsliga träumte, sah die Realität ganz anders aus. Der Spitzenplatz in der Abschlußtabelle ein Jahr zuvor ließ natürlich, vor allem bei der finanzstarken Konkurrenz, aufhorchen. Hiddenhausens Leistungsträger wurden für andere Vereine interessant und nicht alle Spieler konnten gehalten werden. Spielertrainer und Ex-Profi Bernd Laube forderte Verstärkungen, die der Verein aus finanziellen Gründen nicht verpflichten konnte. Es kam zu Spannungen und als Fazit stand der Erfolgstrainer ebenfalls nicht mehr zur Verfügung. Mit Dietmar Fleer als Spielertrainer und Erhard Gatting als Assistent an der Seitenlinie versuchten die Vereinigten, die Landesliga zu halten. Allen war bereits im Vorfeld klar, dass das ein beinahe unmögliches Unterfangen war. Die Mannschaft verkaufte sich so teuer wie möglich, hatte das ein oder andere Mal auch Pech oder es waren andere Mächte am Werk, wie beispielsweise am 4. November 1984.

An diesem sonnigen Herbsttag gastierte der TSV Detmold auf der Lippinghauser Alm. Beide Mannschaften gingen nervös ins Spiel und wie so häufig in dieser Saison lag unsere Mannschaft nach 23 Minuten durch einen Treffer von Herrmann mit 0:1 in Rückstand. Doch die Vereinigten steckten nicht auf: Mario Söte, pfeilschneller Stürmer der Hiddenhauser, sorgte nur kurze Zeit später für den vermeintlichen Ausgleich, der aufgrund einer angeblichen Abseitsstellung nicht anerkannt wurde. Söte ließ sich jedoch nicht entmutigen und konnte erneut treffen, als er eine Flanke von der rechten Seite per Kopf im Detmolder Tor unterbrachte. Jedoch schnellte erneut die Linienrichterfahne hoch und das Schiedsrichtergespann gab den Treffer erneut nicht. Der etwas fadenscheinige Grund: Söte soll bei seinem Kopfball den gegnerischen Torwart behindert haben, der allerdings noch gut drei Meter von ihm entfernt stand. Das Publikum reklamierte lautstark und auch beim vermeintlichen Torschützen rissen die Nerven. Dieser stürmte wutentbrannt auf Linienrichter Horst Ehrlich vom FC Radewig zu und beschwerte sich lautstark. Was zu diesem Zeitpunkt niemand wußte: Ehrlich soll zu Söte direkt vor dem Einlauf der Mannschaften gesagt haben, dass er "jedes Tor, was Du erzielst, abwinken würde". In der Halbzeit gab es dann kein Halten mehr: Eine kleine Hiddenhauser Delegation um Söte stürmte in die Schiedsrichterkabine und stellte das Gespann zur Rede. Auch der verantwortliche Schiedsrichter befragte Linienrichter Ehrlich, der sogar zugab, dass er zwar diese Worte gewählt hatte, den Satz jedoch spaßig gemeint hätte. Mit ordentlich Wut im Bauch kamen die Vereinigten zur zweiten Hälfte aus der Kabine zurück und wurden zunächst belohnt, als Frank Aufderheide in der 62. Minute per Flugkopfball den 1:1-Ausgleich erzielte. Nur drei Minuten später mussten die Hiddenhauser den erneuten Rückstand einstecken, als Watermeier einen Foulelfmeter zum 1:2 verwandelte. Randnotiz: Die Entscheidung, erneut umstritten, wurde auf der Seite Ehrlichs gefällt. Trotz bester Einschußmöglichkeiten von Mathias Scheffer (Pfosten) oder Volker Brakmann (Latte) zum Ausgleich erhöhten die Detmolder kurz vor dem Ende per Konter zum 1:3-Endstand.

Wie ging es weiter? Das Spiel ging mit 1:3 in die Wertung ein, da man Horst Ehrlich nicht nachweisen konnte, dass er seine Entscheidungen absichtlich gegen die Spielvereinigung traf. Für den Linienrichter selbst gab es aber Konsequenzen: Dieser wurde für ein Jahr vom Spielbetrieb suspendiert. Was blieb war ein äußerst bitterer Nachgeschmack.

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