Erinnerungen - Teil 2: Spatzen, Spione, Spielertrainer - wie die Spvg. Hiddenhausen vor 40 Jahren in die Landesliga aufstieg

Vereinslegenden: Betreuer Lothar Blass, Werner Aufderheide, Bernd Bobzin, Helmut Cosic, Norbert Bieniewicz, Reinhold Bartling, Ralf Güse, Walter Mögler, Dietmar Fleer, Spielertrainer Leo Lammert, Helmut Beermann (hintere Reihe v. links) sowie Dieter Blass, Volker Brakmann, Ulrich Scheffer, Uwe Sumpf, Rolf Grube, Rüdiger Bentrup und Wolfgang Freese (vordere Reihe v. links) errangen die Bezirksliga-Meisterschaft 1979/80.

Vereinslegenden: Betreuer Lothar Blass, Werner Aufderheide, Bernd Bobzin, Helmut Cosic, Norbert Bieniewicz, Reinhold Bartling, Ralf Güse, Walter Mögler, Dietmar Fleer, Spielertrainer Leo Lammert, Helmut Beermann (hintere Reihe v. links) sowie Dieter Blass, Volker Brakmann, Ulrich Scheffer, Uwe Sumpf, Rolf Grube, Rüdiger Bentrup und Wolfgang Freese (vordere Reihe v. links) errangen die Bezirksliga-Meisterschaft 1979/80.

In unserer (hoffentlichen kurzen) Serie über Ereignisse aus unserer Vereinsgeschichte greifen wir im zweiten Teil tief ins Archiv. Vor 40 Jahren stieg die Spvg. Hiddenhausen zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte in die Landesliga auf. Der Gewinn der Meisterschaft war nicht nur aus sportlicher Sicht dramatisch - sondern auch die Übermittlung eines wichtigen Ergebnis von einem anderen Sportplatz stellte sich damals, ohne Handy oder andere technisch liebgewonnene Hilfsmittel der heutigen Zeit, schwierig dar. Aber der Reihe nach:

Als Friedel Schneider zum Ende der Saison 1978/79 sein Traineramt aus beruflichen Gründen niederlegen muste, suchte man bei der Spielvereinigung nach neuen Wegen. In Eilshausen und Lippinghausen hatte man zuvor mit Spielertrainern sehr gute Erfahrungen gemacht. Der Vorstand verpflichtete Leo Lammert aus dem Raum Osnabrück und bewies ein glückliches Händchen. Als Spielgestalter konnte er seine ganze Erfahrung, die er in höheren Klassen gewonnen hatte, zum Vorteil der Mannschaft umsetzen. Als Trainer hatte er die nötige Autorität, das Team zu führen und zusammenzuschweißen.

So spielten die Vereinigten in der Saison 1979/80 stark auf. Wenn Lammert seine Jungs sonntags losließ, fürchteten die Gegner nicht nur die Offensivabteilung um Reinhold Bartling, Volker Brakmann, Dietmar Fleer und Co., sondern auch die Abwehrkanten Marke eines Helmut Cosic oder Ralf Güse, um an dieser Stelle nur eine kleine Auswahl an Spielern einer ohne Ausnahme überragenden Mannschaft zu nennen. Die Spielvereinigung sorgte, egal, wo sie spielte, für "volle Häuser" und begeisterte regelmäßig das Publikum. Doch scheinbar sollte das alles nicht reichen: Vor dem letzten Spieltag belegte man mit einem Punkt Rückstand auf die FT Dützen "nur" den zweiten Tabellenplatz.

Ein Fernduell musste somit über Wohl und Wehe im Aufstiegskampf entscheiden: Die Spielvereinigung musste ihr Heimspiel gegen den TuS Tengern gewinnen und bei der damals geltenden Zwei-Punkte-Regel gleichzeitig auf einen Sieg des TuS Westerenger gegen Dützen hoffen. Schon im Vorfeld war der Meisterschaftskampf das Thema im Fußball-Bezirk. Gerüchte, dass Westerenger, die jenseits von Gut und Böse in der Tabelle platziert waren, eventuell nicht mehr ganz motiviert in das Spiel gehen würden, machten die Runde. Mit Schrecken schlug man rund um die Lippinghauser Alm in der Woche vor dem entscheidenden Spieltag das "Herforder Kreisblatt" auf. Dort wurde unter der Überschrift "Die Spatzen pfeifen es von den Dächern" auch noch das gute Verhältnis der beiden Trainer aus Westerenger und Dützen thematisiert, die zusammen als Soldaten gedient haben sollen. Eine Titelzeile wie in Stein gemeißelt - und die den TuS Westerenger gleichzeitig in die Pflicht nahm.

So wurde der zweite Vorsitzende Willi Ellersiek am Spieltag zum Spion umfunktioniert und reiste mit einigen Hiddenhauser Fans nach Westerenger. Dann nahm das Drama seinen Lauf: Die Vereinigten bekamen es nicht nur einer hoch motivierten Mannschaft aus Tengern zu tun, sondern hatten auch mit ihren Nerven zu kämpfen. Der sonst so treffsichere Sturm vergab einige gute Möglichkeiten und die Zuschauer wurden erst in der 68. Minute erlöst, als Leo Lammert einen Foulelfmeter zur 1:0-Führung verwandeln konnte. Doch das allein sollte bekanntlich noch nicht reichen. Zu diesem Zeitpunkt stand es in Westerenger 1:1. Ellersiek übermittelte während des Spiels, dass sich die Mannschaft vom TuS offenbar nichts nachsagen lassen wollte und um jeden Ball kämpfte. Ob der "Spion" auch seine Finger im Spiel hatte und das Zwischenergebnis aus Hiddenhausen in Umlauf brachte, ist nicht bekannt. Fakt ist, dass die "Freien Turner" aus Dützen in den letzten 20 Minuten den Siegtreffer erzwingen wollten und zweimal mustergültig zum 1:3-Endstand ausgekontert wurden. Die Vereinigten dagegen erhöhten gegen Tengern auf 2:0. Noch vor dem Spielschluß auf der Lippinghauser Alm fand Willi Ellersiek ein Festnetztelefon und konnte das freudige Ergebnis aus Westerenger übermitteln. Die letzten Spielminuten wurden somit zur Kür und beim Abpfiff stand fest, dass die Spvg. Hiddenhausen die Bezirksliga-Meisterschaft gewonnen hatte.

Die Meisterschaftsfeier in der Gaststätte "Zur Börse" in Eilshausen wird von den Beteiligten auch noch 40 Jahre später als "ausgelassen" und "unvergessen" beschrieben, denn schon damals wie heute galt: Wer hart arbeitet, darf auch ordentlich feiern. Auch das erledigten die Hiddenhauser Spieler, Verantwortliche und Fans im wahrsten Sinne des Wortes meisterlich.

 

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